Heiss auf Lesen im Länd

Heiss auf Lesen!

Baden-Württemberg ist ja – wir haben die Werbung jahrelang gehört – das Land, in dem man es nicht so hat mit dem Hochdeutsch. Aber dafür mit dem kreativen Umgang mit Sprache und Worten, nicht zuletzt nennt sich das Bundesland derzeit „The Länd“. Wie kreativ es hier zugeht – das haben mir die Zuhörerinnen und Zuhörer meiner jüngsten Lesereise eindrucksvoll bewiesen. In Erligheim und in Kernen malten die jungen Zuhlrerinnen und Zuhörer secht findige Wortspiele. Eines davon ist zum Beispiel „Heiss auf Lesen“, das sich ein Mädchen aus Kernen ausgedacht hat. Denn meine zwölf Lesungen fanden zum Auftakt des Sommerleseclubs der Büchereiern im Regierungsbezirk Stuttgart statt, der unter diesem Motto läuft „Heiss aufs Lesen“.

Kunst in Urbach, dahinter die Original-Fachwerkwand.

Dank der umfassenden Förderung durch Neustart Kultur führte mich die Reise auch in kleine Orte, wie eben Erligheim und Kernen – und dazu noch Löchgau, Urbach, Nordheim, Nürtingen-Oberensingen oder Heiningen, also in Büchereien, die sonst vielleicht keinen so großen Lesungsetat haben. Was total schön war, denn in diesen kleinen Ortschaften sind manchmal bezaubernde Büchereien zu bestaunen, das Fachwerk noch aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, die Wandmalereien noch im Original, die Treppe ebenso. In Urbach zum Beispiel, wo neben der Bücherei gleich noch ein Heimatmuseum in dem eindrucksvolle Fachwerkgebäude zu finden ist, nebst aktueller Kunstausstellung. Ein echter Ort der kulturellen Begegnung.

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Die Bücherei in Nordheim.

Auch in Nordheim ist die Bücherei schon ein klein wenig älter, so ca. 500 Jahre. Außerdem kann man gleich im benachbarten Garten, der zur Landesgartenschau angeregt wurde, wundervoll schmökern. Hier liegt übrigens beides, ein fabelhafter Picknick- und Schmökerplatz, wie ich höchstpersönlich mit den beiden Damen von der Bibliothek austesten konnte.

Wortspiele in Kernen (Foto: Katja Schläfke-Neumann)

Wie nachhaltig die Begegnungen mit den Autoren übrigens sind, hat mir Nordheim ebenfalls gezeigt. Sven Gerhardt, der mit mir und acht anderen AutorInnen die „Annemone Apfelstroh“ verfasst hat, war einige Monate zuvor in Nordheim. Über die Hälfte der GrundschülerInnen, denen ich vorgelesen haben, hatte nach der letzten Lesung „Die Heuhaufenhalunken“ von Sven gelesen. Unglaublich viele! Der Kollege genießt hier jedenfalls fast Heldenstatus. Und ein bisschen von seinem strahlenden Glanz durfte ich zum Glück mit der „Annemone“ nun auch abstauben 🙂

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Ganz besonders fasziniert hat mich auch die Architektur in Schwäbisch Gmünd, wo sich die Ortsbücherei in einem vierstöckigen ehemaligen Spital befindet. Es soll Autoren-KollegInnen geben, die hier täglich an ihren Bücher schreiben. Also, wenn das so ist, würde ich mich auch zum Freiwilligen Sozialen Autorenjahr (FSA) bewerben … Wo finde ich das entsprechende Formular?

Nur ein ganz kleiner Eindruck aus Schwäbisch Gmünd.

Wenn es allerdings um das herzliche Willkommen geht, dann würde ich überall im Länd unterschlüpfen. Auch und sofort zum Beispiel in Sindelfingen. Zuallererst wegen der netten Kolleginnen, die ich dann hätte. Und wegen noch etwas: Hier hat der Deutsche Meister der Pralinenkunst eine Filiale hat (die Erzeugnisse durfte ich gleich mal austesten). Aber nicht nur in Sindelfingen, so liebevoll und warmherzig war der Empfang, dass ich überall gerne nochmal wiederkäme – auch in einem FSA. Jedenfalls haben wir ordentlich Stimmung gemacht für „Heiss auf Lesen“, denn die Temperaturen sind so richtig in die Höhe geklettert. Bis auf 37 Grad sogar. Also, wenn das mal kein gutes Omen ist für die Sommerleseaktion. Ganz herzlich Danke für die tolle Einladung sowie die tolle Organisation an die Büchereifachstelle und das Regierungspräsidium Stuttgart.

Ach ja, und das sind dann übrigens meine Neuzugänge aus dem Länd, die im Wörterbuch der „Linkslesestärke“ aufgenommen wurden:


Besser sehen in Marburg

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Die Autoren des Marburger Lesefests sind meistens nur ein paar Tage da – das reicht kaum, um alle Schönheiten der Altstadt mit den vielen alten Häusern, berühmten Kirchen, Zwingli-Treppen und Lahn-Promenaden zu erkunden. Aber man sieht ja sowieso nur mit dem Herzen gut. Und das war für mich das Beeindruckendste am Marburger Lesefest: Eine Lesung in der Blista-Schule mit einer integrierten Klasse, in der Blinde, Sehbeeinträchtigte und Sehende zusammen lernen. Dort habe ich auch das erste Mal eines meiner Bücher in Blindenschrift gesehen (gelesen habe ich aber daraus nicht). Allein das war schon total faszinierend. Aber am tollsten war die Debatte mit den Siebtklässlern. Die hat mich regelrecht umgehauen.

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„Meine Checkliste zum Verlieben“ gibt ja an sich schon viel Diskussionspotenzial her, aber in dieser Klasse war es doppelt spannend. Ging es ja auch ein bisschen darum, was man an anderen attraktiv findet, warum man sich verliebt (und warum nicht), was die wichtigsten Eigenschaften sind, die ein Freund braucht … Die Zeit verging im Fluge und ich weiß jetzt, dass es die Stimme ist, der Charakter und die Hilfsbereitschaft, die andere Menschen für nichtsehende Menschen attraktiv macht. Aber auch die Sehenden an der blista habe ich sehr kritisch und nachdenklich erlebt: Wenn jemand gut aussieht, guckt man vielleicht hin, sagte einer, aber wirklich angesehen wird dann eher der Charakter.

Und boah, Hut ab vor dem Siebtklässler, der mit voller Überzeugung und voller Ernsthaftigkeit gesagt hat: „Das Mädchen aus meiner WG – das ist einzigartig.“ Da möchte man einfach nur sagen: Schnapp ihn dir, das ist ein Guter!

Ist möglicherweise ein Bild von Innenbereich und Text „Der Theoretikerclub“

Bitte nicht falsch verstehen, die anderen Begegnungen waren natürlich auch sehr schön – unter anderem mit einer Lesung in voller Disko-Beleuchtung. Ich wurde sogar gefragt, welche Farbe und welche Spotlights ich mir für die große Bühne in der Richtsbergschule wünsche. „Äh … weiß nicht … äh …blau?,“ war jetzt nicht gerade die souveränste Antwort, wurde aber prompt erfüllt.

Und zwei wundervolle Lesungen mit Mira und ihrer „Linkslesestärke“ waren auch noch in der Marburger Wundertüte. Mitgebracht habe ich „Dixi-Klo“, „Dino-Fossil“, „Wort-Schatz“, „Uhr-Kunde“ und „Sonnen-Aufgang“.

Und meine reizende Assistentin Evi hat eine sehr lustige Art gefunden, wie man „Furzen“ auch schreiben kann:

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Wunderbare Grüße aus Waibstadt

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Lesung in Waibstadt.

„Mit Ihrem Buch finde ich toll, dass Sie Kinder ernutigen, die nicht so gut rechtschreiben, dass auch die Kinder toll sind.“ Fanpost zu bekommen ist immer ein besonderer Moment.

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Aber ein ganzes Bündel an Fanpost kam jetzt aus Waibstadt. Die Kinder der 3a und der 4b haben mir einen Packen Worträtsel und Briefe geschickt. Darunter diese Rückmeldung, die wirklich mein Herz hat schmelzen lassen. Die Krönung: Darunter klebte tatsächlich noch eine Tafel Schokolade.

Die Lesung hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr im November mit Neustart Kultur stattfinden sollen, allerdings gab es da ein logistisches Problem. Jetzt haben wir die Lesung online nachgeholt. Weil das online immer schwierig ist, gemeinsam an der Tafel Worträtsel zu malen, habe ich die Schülerinnen und Schüler gebeten, mir ihre Rätsel mitzuschicken. Ziemlich fabelhafte Zeichnungen waren darunter. Die Auswahl ist mir echt schwer gefallen, welche in die Wort-Acker-dem-ih aufgenommen werden: Neu dabei sind jetzt Buch-Staben, Vogel-Spinne, Licht-Schwert, Hammer-Hai und Schlüssel-Bein.

Update: Red-Bull und Schweizer Flagge

Immer wenn ich in die Schweiz komme, lerne ich was dazu. Einen Tirggel kannte ich zum Beispiel bis vorgestern noch nicht. Das ist ein Honig-Gebäck, das ähnlich wie ein Spekulatius geprägt wird. In den Teig kann man auch ein Schul-Emblem einprägen – wie zum Beispiel das der Schule Meilwiese im Hinwil. Die engagierte Schulleiterin aus Hinwil hat mir dieses leckere Gebäck zum Dank geschickt. Fast zu schade, um daran zu knabbern. Ich glaube, ich werde es lieber als Erinnerung an diese schöne (virtuelle) Lesereise in die Schweiz behalten. Solche schönen Momente und Begegnungen sollte man nämlich achtsam aufbewahren.

(Hier sind übrigens die Neuzugänge in der Wort-Ackerdem-ih)

Und hier kamen noch ein paar aus Seuzach hinzu:

Das ist noch etwas, was ich hinzugelernt habe: Die Wertschätzung und Achtsamkeit, die in dem Schülerbild der Lehrpersonen hier in Zürich und Umgebung zugrunde liegen. Mit eben jener Rektorin aus Hinwil habe ich darüber unterhalten: Wertschätzung für jeden einzelnen lernen die Kinder schon in der Schule und durch Vorbilder. Das hat aber auch ganz grundlegende individuelle Konsequenzen: Dass ein Lehrer aus Stallikon zum Beispiel bei mir extra noch mal anfragt, wie er seine besonders schreibbegabte Schülerin coachen kann, dass sie ihr erstes Buch schreibt. Dass ein trauriger Schüler samt Mutter in Quarantäne zugeschaltet wird, damit er nur nicht die Lesung in Seuzach nicht verpasst.

Und ich bin mir sicher, diesen genauen und persönlichen Blick bekommt man umgekehrt genauso zurück. Jedenfalls hatte ich den Eindruck bei meinen Lesungen. Die diesjährigen Fragerunden in den Schweizer Schulen waren zum Beispiel so richtig gut vorbereitet und mit cleveren Fragen gespickt. Zum Beispiel die aus Dänikon, ob ich lieber den Anfang oder das Ende eines Buches schreibe. Darüber habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht und ich musste den ganzen Nachmittag nachgrübeln über diese Frage. (Die Antwort ist: Das Ende, weil man dann seine Helden stärker, mutiger und schlauer in die Welt ziehen lässt). Und so geht dann auch mal eine gute halbe Stunde für die Plauderei zwischen SchülerInnen und Autorin wie im Flug vorbei. So eine Wertschätzung ist so fabelhaft und hinterlässt auch eine Autorin ganz inspiriert und motiviert in die nächste (Schreib-)Woche.

Ich glaube, ich wäre gern in der Schweiz in die Schule gegangen. Vielleicht hätten wir da auch ein paar nette Abitur-Streiche ausgeheckt, wie sie mir von den Lehrpersonen bei den Lesungen zu „Die Nacht in der Schule“ erzählt wurden: Mal schnell das Cabrio des Französischlehrers zum Verkauf ausschreiben oder die Schule mit Draht umwickeln, sodass es einen ganzen Tag schulfrei gibt.

Noch was Neues habe ich gelernt: Wortspiele malen kann man fabelhaft auch per digitaler Lesung. Die Kinder haben mir ihre schönsten Entwürfe einfach in die Kamera gehalten und wir haben mit der Parallelklasse gemeinsam geraten. Da waren fabelhafte Sachen dabei wie Face-Book, Blau-Bär-E, Leer-er, Links-Lese-Stärke und Wasser-Fall. Bin immer noch ganz geflasht vom Einfallsreichtum der jungen Malerinnen und Maler.

Also, liebes Team vom Schule & Kultur, wenn Ihr das lest: Ich komme gerne wieder. Diese wechselseitige Wertschätzung ist ein besonderes Geschenk, das ich sehr genossen habe und die ich gerne immer wieder zurückschenke, wo es geht. Apropos Geschenk, die SchülerInnen, ihre Lehrerin und die Bibliotheksleiterin aus Stalikon haben mir auch eins gemacht. Nicht nur was zum Naschen, das auch, aber auch einen kleinen Feedback-Bogen zum „Theoretikerclub“. Hach, auf dieser Welle der Guten Laune kann ich doch getrost ins Wochenende.

„Sie kenne ich“

„Nein danke, ich habe schon Autogramm von Ihnen“, sagt neulich eine Sechstklässlerin in einer Lesung. „Sie kenne ich. Vor zwei Jahren waren Sie bei mir in der Grundschule.“ Um dann eine Pause lang sich Tipps zu holen fürs Schreiben, fürs Kreativsein, und um sowieso noch ein paar andere Dinge fürs Leben generell zu bequatschen. Wir sind ja alte Bekannte und da ist man ja auf ganz besondere Weise vertraut.

Mit Braunschweig und den Jugendbuchwochen geht es mir genauso. Bereits dreimal durfte ich dort lesen – einmal davon auch onlie. Dieses Jahr waren ich und meine 15 Kinder- und Jugendbuchkollegen wieder vor Ort. Was sehr schön war und genau so kleine beiläufige Gespräche wie dieses oben erst möglich machte.

Die Lesungen waren allesamt sehr, sehr schön. Und mit einigen Schulen, wie zum Beispiel hier in der Christopherusschule, war es ein wundervolle Wieder-Begegnung. Daneben werden mir außerdem die vielen beiläufigen und schönen und ausführlichen Gespräche in Erinnerung bleiben, die die Lesereise nach Braunschweig auszeichnen. Oft ist es einfach nur die Fortsetzung eines schon vor einiger Zeit begonnenen Gesprächs zwischen alten Freunden oder Kollegen. Man knüpft einfach an an alles Vorhergehende und knüpft den Erzählstrang ein bisschen weiter.´

Nachdem auch die „Linkslesestärke“ im Gepäck war, habe ich natürlich auch wieder einige Neuzugänge für die „Wort-Acker-dem-ih“ mit gebracht. Das sind sie: Wolf-Gang-Amadeus-Mozart, Buch-Stab-E, „Du hast einen Vogel“, Flugzeug-Träger, Erste-Hilfe-Koffer, Not-Fall, Lied-Stroh-Fee, Beth-Ofen, Wolfs-Burg Zahn-Arzt, Toten-Kopf, Um-Kleide, Sonnen-Süss-Tem.

Danke Neustart Kultur!

Schon kleine Schwätzchen, aber insbesondere Lesungen nach den Pandemie-Maßnahmen sind immer noch was Besonderes. Erst mal, weil man selbst wieder verstärkt unter Leute kommt und man sich manchmal im direkten Kontakt noch ein bisschen ungelenk vorkommt (was aber ganz schnell verfliegt, wenn die Lesungen ihre ureigene Fahrt aufnehmen).

Aber am meisten natürlich auch deshalb, weil es für die Kinder nach so langer Zeit wieder etwas Besonderes ist, Literatur von einer anderen Seite zu erleben und mit der einen oder anderen Geschichte auch unterhalten und bestenfalls inspiriert zu werden. Über diesen ungewöhnlichen Reizhunger berichten nicht nur die vielen Kollegen, sondern den merke auch ich ganz deutlich. Zuletzt auf meiner Reise zum Literatur-Lese-Fest Frederick Tag über die Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen im Regierungspräsidium Karlsruhe.

Wenn alle Kinder einer Klasse beim Wortspiele-Malen an die Tafel drängen zum Beispiel wie bei der „Linkslesestärke“-Lesung in der beeindruckend umfangreichen Jugendbibliothek Karlsruhe (allein 25.000 Kindermedien!). Und selbst bei zwei Klassen Siebtklässlern, bei denen man als Autor dem Publikum schon von Haus aus ein bisschen inneren Respekt mitbringt: In Heimsheim mussten wir danach noch jede Menge Gruppenfotos (mit Maske) schießen, bis wir endlich den Mut fanden, uns zu verabschieden.

Nicht nur hier, auch bei vielen anderen Büchereien musste ich mich schweren Herzens losreißen, um zur nächsten Lesung zu fahren, denn ich hätte gern noch weiter „g’schwätzt“ mit den netten Buchmenschen. Zum Beispiel in Schwann-Straubenhardt oder Karlsruhe Durlach. Oder in Heimsheim, wo es mehr Janotta-Bücher gibt als irgendwo sonst und dazu noch eine pfiffige Bibliothek der Dinge, bei der man einen Schlagbohrer, eine Popcornmaschine oder sogar ein Einrad ausleihen könnte.

Das sind auch für den Autor schöne Momente, die man mit nach Hause nimmt und lange, erfahrungsgemäß sehr lange in Erinnerung behält. Deswegen muss ich dem Programm „Neustart Kultur“ doppelt dankbar sein: Zum einen wegen der Fördergelder, die die Lesereise zum Fredericks Tag komplett gedeckt haben- wodurch auch Büchereien in den Genuss von Lesungen kamen, die sonst kein oder kaum Veranstaltungsbudget haben.

Und für die vielen unvergesslichen Begegnungen, die ich mit heim genommen habe ebenso wie einen ganzen Strauß neuer linkslesestarker Wortspiele: Würfel-Spiel aus Karlsruhe-Durlach, Lampen-Fieber aus Königsbach-Stein, Links-Händer aus Karlsruhe, Geister-Fahrer aus Mannheim, Geistes-Willen aus Karlsruhe, A-Meisen-Haufen aus Schwann-Straubenhardt, Blumen-Wiese aus Straubenardt-Schwann, Feh-Der aus Königsbach-Stein, Corona-Test aus Karlsruhe, Bücher-Ei aus Schwann-Straubenhardt, Auto-Rennen aus Karlsruhe-Durlach, Auto-Ohr-in aus Karlsruhe, Zahn-Fee aus Mannheim, Zahn-Rad und Spatzen-Hirn aus Karlsdorf, Pferde-Fuß aus Mannheim, Pell-Kartoffel aus Karlsdorf und Organ-nie-Satz-ion aus Karlsruhe. Wie immer alle auch im linkslesestarken Wörterbuch Wort-Acker-dem-ih.

Alle guten Dinge sind … drei

Es war bereits das dritte Mal Käpt’n Book für mich. Und nach Bonn zu kommen ist deshalb so etwas wie heimkommen – mit ein paar neuen Büchern Gepäck, dieses Jahr auch mit Masken und gleichzeitig mit ganz viel Wiedersehensfreude.

Und trotzdem hält jeder Besuch etwas Besonderes bereit. Besondere Begegnungen, besondere Bekanntschaften und besondere Erlebnisse. Und nach einer so langen Corona-Pause sind Begegnungen und Lesefeste wie Käptn Book mit vielen tollen Kollegen noch einmal ein Stück wertvoller geworden. Für mich war ein echtes Highlight, Paul Maar getroffen zu haben – mein persönlicher Kinderbuchheld (nicht so sehr wegen des Sams, sondern wegen dieser untenstehenden Geschichte, die Kultstatus hat in meiner Familie. Aber das nur nebenbei …)

Denn eigentlich wollte ich von den vielen tollen Lesungen erzählen in Bonn. Zum Beispiel in Beuel, wo da Publikum so trampelte und „Zugabe“ rief dass man es bestimmt noch auf der anderen Rheinseite hören konnte (und die ist an dieser Stelle ganz schön weit enfernt). Hier seht ihr die Bücherei noch vor dem Beben!

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Oder an der Bertold Brecht Gesamtschule in Tannenbusch, wo man eine ganz tolle Bühne aufgebaut hatte und die Kids ziemlich einfallseiche Ideen für einen Abistreich hatten. So wie ich das aussieht, ist in ein paar Jahren ziemlich Action geboten an diese Schule, wenn meiner Zuhörerinnen und Zuhörer nur ein paar dieser Vorhaben umsetzen. Was ich ganz besonders berührend fand: In meinem Publikum saß auch ein blinder Zuhörer, der uns erklärt hat, was für ihn gruselig ist, wo wir anderen uns ja manchmal allein schon im Dunkeln fürchten. Für ihn sind die Furchtauslöser mysteriöse Geräusche, die man nicht zuordnen kann.

Mit der „Linkslesestärke“ war ich dann auch noch zweimal vor Ort. In Sankt Augustin hat man mir drei neue Wortspiele geschenkt (siehe oben): Berg-Käse, Recht-Schreib-Schwäche und Düsen-Jäger. Bei meiner letzten Käptn Book-Lesung in Tannenbusch kam noch der Teddy-Bär hinzu.



Und dann waren da noch die vielen tollen KollegInnen, die ich treffen durfte: Carla Haslbauer, die ein ganz berührendes Buch über ihre Mutter, eine Opernsängerin, geschrieben hat, Michael Petrowitz, die fabelhafte Sabine Bohlmann, Thomas Feibel, Annette Mierswa, Franziska Biermann und die Journalistin Christine Knödler, die ihr erstes eigenes Buch vorgestellt hat „Young Rebels“, das sie gemeinsam mit ihrem Sohn geschrieben hat. Und, nicht zu vergessen, der Vorlese-Friseur Danny Beuerbach, der demjenigen die Haare schneidet, der oder die ihm vorliest. Cooler Typ. Noch coolere Idee. Meine „Nacht in der Schule“ reist jetzt auch bei ihm im Gepäck.

Höchster Spaß in Höchberg

Eine neue Lesung die ersten Male vorzutragen ist immer besonders aufregend. Geht das Konzept auf? Ist es lustig genug? Klappt die Technik? Kriegt man die Kinder zum Mitraten und Mitmachen? Gut, wenn man da hinkommt, wo man sich schon mal sehr wohl gefühlt hat. In diesem Fall in die Bibliothek in Höchberg bei Würzburg. Vor drei Jahren war ich hier schon mal mit einer furiosen Abendlesung vor 50 Erwachsenen und Kindern und unglaublich vielen tollen Rategeschichten.

Eigentlich dachte ich ja, das sei kaum zu toppen, aber denkste. Die Lesungen war noch toller. Sechs Stück waren es, am zweiten Tag gleich vier hintereinander, was dann doch ein recht sportliches Tempo ist. Aber wenn man halt auch jede Menge Supersportler, Weltretter, Klimaschützer, Tierschützer und Wortspieler zur Unterstützung dabei hat (neben zwei wunderbaren Bibliothekarinnen) – kann es ja nur gut werden.

Und so wurde es ein echter Spaß, mit den Isar-Detektiven und auch mit der Linkslesestärke und jeweils drei dritten und vierten Klassen. Es hat nicht nur super geklappt mit meinem ganz frischen Ermittlerteam Metti, Balu, Elias und Flo, sondern ich durfte auf meinem Isar-Detektiv-Block gleich ein paar sehr gescheite Vorschläge an die Politik notieren, die Kinder heute so haben:

Aussetzen gilt nicht.
  1. In der Woche nur noch 2 Tage arbeiten und 5 Tage Wochenende haben.
  2. Abschaffung des Montags, der muss unbedingt unbedingt werden. In Jamestag zum Beispiel.
  3. Erst ab Wegen über 2 Kilometern darf ein Auto benutzt werden.
  4. Krieg gehört verboten. Atomkraftwerke auch.
  5. 365 Tage Ferien.

So liebe Politikerinnen und Politiker, jetzt wisst ihr, was die Jungen heute so in ihr Parteiprogramm schreiben würdet. Ihr dürft gerne spicken!

Und dann habe ich natürlich auch noch eine Menge Wortspiele für die Wort-Acker-dem-ih mit gebracht: Alp-Traum, Einhorn-Haufen, Katzen-Futter, See-Adler, Uhr-Ne und natürlich: Höchberg.

Wortspiele gehen auch online

Wenn wegen K.O.-Rona die Lesungen nur noch online möglich sind, dann muss man eben kräh-ah-tief werden. Wenn ich normalerweise aus der „Linkslesestärke“ vorlese, dann nimmt einen Teil der Lesung auch das gemeinsame Wortspiel-Malen ein. Letztes Jahr im November war ich zum Beispiel in Zingst im Max-Hünten-Haus. Da haben wir fast eine ganze Stunde Wortspiele gemalt (was auch ein bisschen daran lag, dass die Grundschule Zingst eine Lehrerin hat, an der eine gramm-die-Hose Comic-Zeichnerin verloren gegangen ist). Wenn man nun online liest, wird das schwierig. Man kann zwar La-Ola-Wellen über mehrere Bildschirme koordinieren. Und im Chat einen Quiz-Wettstreit Klasse gegen Klasse austragen.

Aber es geht auch anders: Die Grundschule Sickte bei Braunschweig hat mir einfach ihre fabelhaften gesammelten Wortspiele zugeschickt. Das ist wunderbar. Vielen Dank für:

die Lese-Ratte, die Brillen-Schlange, Fuß-Ball, Hand-Ball, Hand-Schuh, Katze-n, Fee-n, den super gezeichneten Kugel-Schreiber, denDusch-Kopf, die Menschen-Kette,r und – was ich ganz, ganz großartig fand-: Alge-mein.

Die letzten vier habe ich übrigens auch in die Wort-Acker-dem-ih aufgenommen. Wollt Ihr mal sehen?

Kein K.O. durch Corona

Der November ist immer der geschäftigste Monat für uns Kinder- und Jugendbuchschreibende. Rund um den Vorlesetag am 20. November sind immer die meisten Lesungen. Auch für mich wären es 22 Veranstaltungen gewesen  – allein 13 davon in Braunschweig zur Jugendbuchwoche, sechs im Zusammenhang mit der Kinder-und Jugendbuchwoche Schleswig-Holstein. Ich mag das ja – viel zu tun, lustige Kinder, viele tolle Begegnungen mit netten und sympathischen Buchleuten und – wenn’s gut läuft – noch ein paar nette Abende mit Kollegen. Mit den neuen Corona-Bestimmungen sah es plötzlich ganz anders aus. Das Reisen wäre zwar gegangen, aber mit Maske zu lesen ist  – die ganze Mimik bei mir geht verloren. Und es ist total schade, wenn man gar nicht sehen kann, ob das Publikum jetzt lacht oder weint oder gähnt hinter seiner Maske.

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Das Tolle ist: Die allermeisten Schulen und Büchereien haben ganz kurzfristig umgestellt, von Präsenz- auf Online-Lesung. Ist anders, aber auch schön. Eine La-Ola-Welle durch drei Klassenzimmer hinweg zu dirigieren hat was. Und mehrere Klassen beim Quiz im Chat-Wettstreit auch. In Braunschweig am Christopherus-Gymnasium waren sogar vier Klassen gleichzeitig am Monitor. In der Grundschule in Lübeck hat der Rektor höchst persönlich alle Kabel verklebt, das niemand stolpert. Digitalisierung hat er zur Chefsache erklärt.

Und das haben die anderen Schulen eben auch gemacht: In die Ausrüstung investiert, eine stärkere Leitung gelegt, und sich wirklich Mühe gegeben, eine stimmungsvolle Lesung zu gestalten, mitzuraten und mitzumachen. Bei mir kamen wundervolle Briefe an aus verschiedenen Klassen – Ehrensache, dass die auch persönlich beantwortet werden.

Klar, man ist vor technischen Pannen nicht immer gefeit, aber ich finde, dass man echt nicht sagen kann, die Schulen würden sich nicht in die Digitalisierung reinhängen. Ich habe wirklich engagierte LehrerInnen, BüchereileiterInnen und RektorInnen getroffen, die sich da echt reinknien und die ausgesprochene Profis in Jitsi, Zoom, iServe oder Big Blue Button sind. Danke. Ein großes digitales Danke. Und ganz besonders Frau Schnerr von der Stadtbücherei Lübeck, die mir das Worträstel K.O.-Rona geschickt.